Der Archäologische Dienst führt voraussichtlich noch bis Ende August auf dem Areal Schönberg Ost Not- oder Rettungsgrabungen durch, weil die archäologische Substanz beim geplanten Bau eines Wohnquartiers zerstört werden wird. Dabei stiess der Dienst auf eine der drei mittelalterlichen Richtstätten der Stadt Bern, das sogenannte Hochgericht «untenaus». Der Galgen bestand aus einem gemauerten, im Grundriss dreieckigen Sockel. In einiger Entfernung gab es einen zweiten, im Grundriss rechteckigen Mauersockel, dessen Plateau mit einer Steintreppe erreicht wurde. Dort wurden Enthauptungen vorgenommen.
Unter und neben dem Galgen fand der Archäologische Dienst verschiedene Gruben mit menschlichen Überresten. Einerseits sind es einzelne Skelette von Gehängten, jungen Männern, die mit gefesselten Händen achtlos in ihre Grabgruben geworfen wurden. Sie liegen nicht, wie es sich für christliche Bestattungen gehört «geostet», also mit dem Kopf im Westen und Blick nach Osten, sondern - möglicherweise absichtlich - umgekehrt. Daneben sind Grabgruben nachgewiesen, in denen mehrere Tote lagen. Auch unter ihnen finden sich junge, noch nicht erwachsene Menschen. Einen bisher einmaligen Fund stellt eine grosse Knochengrube dar, die die Gebeine von schätzungsweise 20 Menschen enthält.
Die Hinrichtung war im Mittelalter ein öffentlicher Akt. Deswegen befanden sich die Richtstätten oft auf weithin sichtbaren Anhöhen, an denen viel begangene Landstrassen vorbeiführten. In der Stadt Bern gab es neben der freigelegten Richtstätte «untenaus» zwei weitere Hochgerichte. Eines befand sich im Westen der Stadt, das andere auf dem Schwellenmätteli an der Aare, wo Verbrennungen und Ertränkungen durchgeführt wurden.
1.jpg 21,3K
101 Mal heruntergeladenQuelle: bazonline.ch











